«Stöckacker Nord –
Meienegg, Bern»

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Projekte

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Siegerprojekt:

MEIE Projekt Nr. 3 | 1. Rang | 1. Preis

Architektur

HUGGENBERGERFRIES ARCHITEKTEN AG ETH SIA BSA, Zürich
Erika Fries, Adrian Berger, Jessica Busch, Lukas Huggenberger, Weilan Jiang, Lucia Miglio, Pierre Schild, Jens Ullersperger

Landschaftsarchitektur

Hager Partner AG, Landschaftsarchitekten, Zürich
Pascal Posset, Nina Ziegler

Beigezogene Fachspezialisten

Zeugin Bauberatungen AG, Münsingen

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Projektbeschrieb:

Die Projketverfasser*innen lösen den Geh- und Zufahrtsweg im Osten der Siedlung Meienegg zu Gunsten eines grünen Bandes aus Rasen und Gehölz auf, das der Bebauung Luft und Abstand schafft und zugleich die verschiedenen Wohnhöfe, welche die Bauten in einem unterschiedlich grossen, orthogonalen Grundmuster bilden, zusammenbindet. Der städtebauliche Entwurf folgt nicht dem strukturalen Vorbild der Meienegg, sondern greift mit dem leicht angedeuteten Motiv des Wohnhofs die Tradition genossenschaftlichen wie auch urbanen Wohnens auf.

Die orthogonal ausgerichteten Zeilen, Winkel- und U-förmigen Bauten formen eine spannende Abfolge von Plätzen und Hofräumen. Durch die präzise Ausrichtung der Gebäude zueinander und die auf die jeweilige Situation angepassten Vor- und Rücksprünge der Gebäudevolumen, gelingt es den Verfassern, den neuen Siedlungskörper gekonnt mit den angrenzenden Siedlungsstrukturen zu verzahnen und eine angenehme Körnigkeit für die neue Siedlung zu erreichen.

Ein neungeschossiges Gebäude mit vorgelagertem Stadtplatz setzt einen städtebaulichen Akzent an der Bethlehemstrasse, nimmt Bezug zur Tramhaltestelle und verankert das neue Quartier mit dem Stadtraum. Die Höhe und Stellung des Gebäudes unterstreicht den Öffentlichkeitscharakter der Siedlung und vermittelt Durchblick zum Meieneggplatz im Innern der Anlage. In den südlichen Gebäuden werden im Erdgeschoss die öffentlichen Nutzungen sowie Gemeinschaftsraum und Kindergarten folgerichtig konzentriert. Ebenso sind hier die Alterswohnungen vorgesehen, wodurch sich generationenübergreifende, nachbarschaftliche Beziehungen anbieten.

Die Gebäudetypologien sind verwandt, haben einen ähnlichen Duktus und reagieren auf ihre jeweilige Lage im Stadtgefüge. Die Häuser unterscheiden sich subtil im äusseren Ausdruck und ihrer Farbigkeit und sind da städtischer, wo es die Lage verlangt, und da feiner und weicher, wo es die Umgebung zulässt. Es entsteht genügend Abwechslung, ohne überspannt zu wirken.

Die Hauptadressierung der Gebäude ist nachvollziehbar von der Strassen- und Wegseite her gelöst. Die Treppenhäuser verfügen über einen zusätzlichen ‘Gartenausgang’, der die Zugänglichkeit und Durchwegung bereichert. Die vorgeschlagenen Splitlevel-Wohnungen in den Erdgeschossen sind eine adäquate Massnahme, den Wohnungen genügend Privatsphäre zu gewährleisten und garantieren ein attraktives Wohnen auf Erdgeschossniveau. Gemeinschaftliche Dachterrassen und Dachgärten ergänzen das Angebot.

Die Grundrisse sind sehr gut ausgearbeitet, vielfältig und weisen alle einen hohen Gebrauchswert auf. Einzig die Wohnungen mit den zentralen Hallen als Herzstück der Wohnung und das oft allzu direkte Eintreten in die Wohnzimmer werden von der Jury unterschiedlich diskutiert.

Das Projekt «MEIE» tritt durch die Aussenraumgestaltung und durch die Steuerung der Erdgeschossnutzungen als neues Quartier auf, was entlang der Platzabfolge - Stadtplatz- Meieneggplatz-Keltenplatz gelingt, jedoch in den Höfen wieder in einen Siedlungscharakter zurückfällt. Diese Dualität schafft eine Vielfalt in den Aussenräumen, die bereichernd und auch hierarchisierend wirkt. Für die neue Gestaltung der Freiräume wurden die heute in der Meienegg vorgefundenen Elemente wie Pergolen, berankte Fassaden, Gartenvorzonen etc. aufgegriffen und neu interpretiert.

Entlang der Platzabfolge wird die urbane Stimmung durch öffentliche Erdgeschossnutzungen (Schaufenster/Atelier), aber auch durch die Gestaltung der Aussenräume gesteuert. Knappe oder fehlende Vorzonen, Veloabstellplätze aber auch Hochparterrewohnen steuern den Öffentlichkeitsgrad. Dadurch kann auch die Betriebsamkeit selbstverständlich reguliert werden. Aktionsfelder wie Urban gardening, Thema wie «essbare Stadt» mit Sträucher und Obstbäumen, aber auch Spiel- und Aufenthaltsort werden nicht nur in den privateren Höfen, sondern auch auf den zum Teil stark durchgrünten Plätzen angeboten. Auch die Dächer werden zu Aufenthaltsorten, sie erzeugen nebst der extensiven Begrünung auch Energie.

Durch die Klärung von Privat- und Öffentlichkeit kann ein funktionstüchtiges, lebendiges Quartier geschaffen werden, auch wenn es in den Aussenräumen siedlungsähnliche Charakterzüge aufweist.

Das vorgeschlagene Etappierungskonzept lässt ein Erneuern auch in kleineren Etappen zu und gewährt somit eine hohe soziale Verträglichkeit. In jeder Phase wird eine stimmige Momentaufnahme mit qualitätsvollen Aussenräumen erreicht. Die Hauptqualitäten der Gesamtanlage können sich aber erst nach der Fertigstellung der letzten Etappe vollumfänglich entfalten.

«MEIE» erreicht eine ausgewogene Nachhaltigkeit. Die Gebäude sind kompakt mit eher viel Geschossfläche, aber mit sehr ansprechender Flächeneffizienz und wenig unterirdischem Volumen. Die Zielwerte SIA-Effizienzpfad Energie (Merkblatt 2040) können problemlos erreicht werden. Der Grünflächenanteil und die begrünten Fassaden unterstützen eine ausgewogene Biodiversität. Das Projekt hat ein sehr gutes Potential zur Erreichung der Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft.

Das Projekt generiert unter den eingereichten Arbeiten mit 430 Wohnungen am meisten Wohneinheiten und erreicht damit auch die höchsten Erstellungskosten. Auf die Anzahl Wohnungen bezogen liegen die Kosten- und Effizienzziele wieder im guten Mittelfeld.

Die Selbstverständlichkeit, mit der den Verfasser*innen die Transformation der Siedlung Meienegg gelingt, ist auf allen Ebenen vom Städtebau über Aussenraumqualität, den architektonischen Ausdruck und die Wohnungstypologien erstaunlich. Dank der sorgfältigen und qualitativ hochwertigen Architektur integriert sich der neue Massstab trotz starker Verdichtung der Baumasse auf überzeugende Weise und ermöglicht eine sehr gute Ausgangslage für die Entwicklung des neuen Stadtquartier Meienegg. 

U-MARMT Projekt Nr. 8 | 2. Rang | 2. Preis

Architektur

Atelier 5 Architekten und Planer AG, Bern
Florian Lünstedt

Landschaftsarchitektur

Hänggi Basler Landschaftsarchitektur GmbH, Bern
Simone Hänggi, Maurice Stalder

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Projektbeschrieb:

Die Verfasser*innen beabsichtigen, die Meienegg in ein urbanes Quartier mit vielfältigem Angebot und diversen Anknüpfungspunkten zu transformieren. Dies gelingt bemerkenswert gut, indem die Verfasser*innen eine eigene Typologie entwickeln und eine neue attraktive N-S-Verbindung für den Langsamverkehr einführen.

Sieben in der Höhe gestaffelte Baukörper bilden klare Kanten entlang den Strassen und entwickeln ein harmonisches Gefüge mit engen Gassen, weiten Räumen und gut platzierten, kleinen Platzaufweitungen im Innern. Mit Ausnahme des siebengeschossigen Punktbaus im Süden sind alle Baukörper u-förmig und bilden jeweils einen einseitig offenen Hof. Die Bauten sind so zueinander gestellt, dass der Hof über die Strasse vom Nachbargebäude geschlossen wird und die Stirnseiten in die neue öffentliche Verbindung ragen und diese rhythmisieren.

Auftakt zur neuen Verbindung bildet der in der Verlängerung der Gotenstrasse gelegene Quartierplatz im Süden. Der Platz ist wohl proportioniert, wenn auch etwas ungünstig belichtet, und hat mit den öffentlichen Erdgeschossen Potential für ein neues Subzentrum. Ausgehend vom Quartierplatz entwickelt sich die neue Quartierverbindung als räumliches Kontinuum mit seitlich angelegten Plätzen, welche die Anbindung an die angrenzenden Stadteile sicherstellen. Die Achse erhält durch die konzentrierte Anordnung der Gewerbeflächen im Süden und am Nordende eine Bedeutung, welche sie auch für Nichtbewohner attraktiv macht. Die Aussenraumtypologie schafft gute räumliche Bezüge und verspricht Dichte. Besonders gewürdigt wird die Auseinandersetzung mit der zu erwartenden Frequentierung des öffentlichen Raums sowie dem nachvollziehbaren und detaillierten Baumkonzept. Die Jury vermisst hingegen eine Auseinandersetzung mit dem wertvollen Altbaumbestand und hinterfragt kritisch die grosse Menge von harten Oberflächen.

Mit den u-förmigen Hofbauten entwickeln die Verfasser*innen eine programmatische und eigenständige Wohnform, welche den Bewohnern vielfältige Kontakte ermöglicht – vom Haus zum Hof zum Quartier. Der Hof wird durch zwei rechtwinklige Gebäude mit Durchwohntypen und 2 bis 3-spännigen Treppenhäusern sowie einem leicht abgedrehten Laubengangtyp mit Kleinwohnungen gebildet. Die Eingänge der Treppenhäuser richten sich zur Strasse oder zu den seitlichen Plätzen, während sich der Laubengang zur Mittelachse orientiert und so den Bezug zum Quartier sucht. Als logische Folge sind die Laubengänge ebenerdig und die restlichen Erdgeschosse als Hochparterre ausgebildet. Der Hof wird vom öffentlichen Raum abgesetzt und an seiner offenen Seite zugunsten einer klaren Zonierung mit einer Mauer abgeschlossen. Diese Ausformulierung entspricht der städtebaulichen Grundhaltung, sie wirkt aber etwas hart und nüchtern. Eine vermittelnde Geste wird vermisst, insbesondere da sie mit den unterschiedlichen Erdgeschossniveaus bereits vorhanden wäre.

Der Hof ist über die Treppenhäuser erreichbar und bietet sinnvolle und in angemessener Anzahl platzierte Aneignungsangebote. Ergänzt wird dieses Angebot durch eine gemeinschaftliche Terrasse auf dem Laubenganggebäude. Die unterschiedliche Orientierung der Höfe führt insbesondere bei den sechsgeschossigen Gebäuden zu engen räumlichen Verhältnissen mit ungünstiger Belichtung. Die schwierigen inneren Ecken sind jedoch durch die Anbindung des Laubengangtyps und mit einer einseitig orientierten 2,5-Zimmerwohnung gut gelöst.

Mit dieser Typologie, und ergänzt durch die Kleinwohnungen im Punktbau, erreicht U-MARMT ein vielfältiges Wohnangebot, wobei das Fehlen alternativer Wohnformen wie Clusterwohnungen und Gross-WGs bemängelt wird.

Das Thema der zentralen Achse wird im Untergeschoss mit einer durchfahrbaren Velogarage weitergeführt. Die Einstellhalle wird aber dadurch in das zweite Untergeschoss verlegt und weist eine deutlich geringere Anzahl Parkplätze auf.

Die Gebäude sind als verputzte Massivbauten mit Lochfassaden vorgeschlagen. Ergänzt wird dieser Ausdruck durch hölzerne Elemente. Die einfache Gliederung der Bauten und die Verwendung von Verputz und Holz kann als Referenz zum Bestand gelesen werden, die vorliegende Ausformulierung und Proportionierung lässt jedoch die Raffinesse der städtebaulichen und grundrisslichen Konzeption vermissen.

Die Verfasser*innen weisen plausibel nach, dass aufgrund der gewählten modularen städtebaulichen Grundfigur eine Realisierung in zwei, drei oder vier Etappen möglich ist. Mit den zeilenförmigen Hofbauten entsteht ein volumetrisch angemessenes Gegenüber zu den Bestandsbauten. Die unterschiedliche Behandlung des Aussenraums, insbesondere die harte Begrenzung des Hofs, verhindert aber, dass ein gemeinsames Quartier entstehen kann.

Kompakte Gebäude mit sehr viel GF, einer guten Flächeneffizienz aber viel unterirdischer GF führen zu einer mittleren Nachhaltigkeit. Die Zielwerte SIA-Effizienzpfad Energie (Merkblatt 2040) können erreicht werden. Das Projekt hat ein gutes Potential zur Erreichung der Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft.

Mit 391 Wohnungen erreicht U-MARMT die zweithöchste Wohnungsanzahl. Im Quervergleich erreicht das Projekt die höchste Geschossfläche bei überdurchschnittlichen Erstellungskosten. Die Gebäudekörper sind kompakt und erreichen ein sehr gutes Verhältnis von Gebäudehülle zu Geschossfläche.

U-MARMT überzeugt in seiner städtebaulichen Konzeption. Die durchdachte Anordnung der Nutzungen und die Entwicklung einer eigenständigen Hoftypologie lassen einen hohen Wohnwert erwarten. Das Projekt basiert auf einer komplexen Programmatik, die aber über die verschiedenen Etappen kaum adaptierbar ist. Weitere Fragen stellen sich zu der sehr urbanen Interpretation des Aussenraums und in der eher trivialen Ausformulierung der Baukörper.

Tessuto Projekt Nr. 7 | 3. Rang | 3. Preis

Architektur

ARGE Rykart Architekten AG, Liebefeld / Kraut Architekten AG, Bern
Claude Rykart, Oliver Sidler, Dominik Hutz, Pascal Kraut, André Falabretti, Livio Andrieri,
Manuel Frey, Flavia Schneider, Nadège Varone

Landschaftsarchitektur

w+s Landschaftsarchitekten AG, Solothurn
Toni Weber, David Gadola, Roman Flück, Eric Aloisi

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Projektbeschrieb:

Mit der differenzierten Positionierung von verschiedenen Gebäudetypen entsteht ein das Areal überziehendes Geflecht von Strassen, Wegen und Plätzen unterschiedlicher Ausprägung. Dieses System öffentlicher Räume ist das zentrale Element in der beabsichtigten Stadtwerdung der Meienegg und gewährleistet eine gute Durchwegung und klare Adressierung. Auftakt bildet der prägnante, in der Südecke angeordnete 5 bis 8-geschossige Bau, welcher im Erdgeschoss Nutzungen von öffentlichem Charakter anbietet und richtigerweise sowohl zu den Strassen wie zum Quartier hin von städtischem Aussenraum umgeben ist. Von diesem Schwerpunkt aus entwickeln sich gegen Norden und Osten die Wohnbauten um unterschiedliche Höfe.

Etwas hart geraten wirkt der Übergang zu den östlich und nördlich angrenzenden Quartierteilen. Gut verstanden wird das Prinzip der vier differenziert ausgebildeten Wohnhöfe, während das Nebeneinander von Punkt-, Längs-, Winkelund U-Bauten nicht überall gleichermassen schlüssig wirkt. Insbesondere das Quartierhaus steht im Endausbau an zentraler Stelle etwas fremd in der Gegend. Von den sozialen Impulsen her wird es mit gemeinsamen Nutzungen dagegen sehr begrüsst, auch wenn es mit seinem grossen Stellenwert für das Quartier erst in der letzten Ausbauetappe zur Verfügung stehen wird.

Die durchgehend ähnliche, kräftige architektonische Gestaltung sieht sich der für die jüngere Geschichte von Bümpliz typischen seriellen, ruhigen Art verpflichtet. Dies wird als gute Grundlage beurteilt um sowohl Zusammenhalt wie Differenzierung zu erreichen und kann mithelfen, den neuen Quartierteil im Umfeld zu integrieren.

Die meisten Treppenhäuser sind sowohl von der Strasse wie vom Hof zugänglich, was als wesentliche Komponente der angestrebten Qualität der Wohnumgebung begrüsst wird. Analog dazu verfügt auch ein Grossteil der sehr rationellen und gut belichteten Wohnungen über durchgehende Wohnbereiche, die gleichzeitig als Erschliessungszone für die Zimmer dienen. Die zentrale Lage der Küche vieler Wohnungen wird kontrovers diskutiert. Raffiniert gelöst ist die Mehrfachnutzung einiger Dächer für Private und für die Hausgemeinschaft. Weniger überzeugend sind die nur einseitig oder übereck orientierten Wohnungen im Hauptbau und im Quartierhaus. Die Typenvielfalt und ihre Zuordnung auf dem Areal werden begrüsst.

Der Aussenraum des neuen Quartiers bedient sich der Palette der klassischen Freiraumelemente. Es werden Gassen und Plätze geschaffen, welche den Raum zwischen den Häusern in seinem Öffentlichkeitsgrad hierarchisieren und strukturieren. An den Plätzen und Gassen werden folgerichtig die Gebäude adressiert. Hier spielt sich das öffentliche Leben ab. Die Erdgeschosswohnungen werden mit eingefriedeten Vorgärten (Bethlehemstrasse) oder Holzdecks und Laubengängen zu den Gassen geschützt und so die nötige Distanz geschaffen. Weiter bilden offene Höfe mit verschiedenen Ausgestaltungen und Funktionen eine weitere Abfolge in der Hierarchie der Öffentlichkeit. Diese haben eine starke Gravitation auf die angrenzenden Wohnungen und bilden zugleich mit Pergolen und Velounterständen und Baumreihen einen wohltuenden, semidurchlässigen Übergang zu den öffentlichen Gassen und Plätzen.

Im Süden des Areales wird am richtigen Ort auf städtischen Aussenraum gesetzt und die Erweiterung dieses Bereiches in der dritten Etappe wird positiv gewertet. Der wichtige Generationenplatz scheint aber räumlich zu wenig gefasst und begünstigt das Entstehen eines belebten Umfeldes nur bedingt. Sonst prägen fast überall private Vorzonen den Übergang von privat zu öffentlich. Dabei überzeugen die halbprivaten Vorzonen in den Innenhöfen. Weniger verstanden wird, dass das gleiche Muster auch fast überall strassenseitig vorgeschlagen wird. Dies ergibt zwar gut nutzbare private Aussenräume im Erdgeschoss mit hohem Gebrauchswert, kann aber auch als Widerspruch zur angestrebten Stadtwerdung gelesen werden.

Hochstammbäume unregelmässig aufgereiht in den Gassen und Plätzen, wie auch grosse Schattenbäume und Baumgruppen in den Höfen helfen den Freiraum zu gliedern. Offenporige Beläge und Grünintarsien gleichen das Stadtklima aus, Spielgeräte und weitere Möblierungen wie auch das Wasser, welches in verschiedener Form zu Anwendung kommt, sind primär auf den Plätzen und in den Gassen angeordnet. Dadurch wird die Hierarchisierung durch die Vermischung der Angebote wieder aufgebrochen und das Areal zu einem grossen Ganzen.

In beiden Etappen ergibt sich grundsätzlich ein gutes und auch langfristig gültiges Miteinander von alt und neu, insbesondere die erste Etappe bringt im Nebeneinander von städtischer Verdichtung und ursprünglicher Gartensiedlung eine bereichernde Kombination. Auch die zweite Etappe zeigt mit dem Erhalt der Mitte des Bestandes interessante Voraussetzungen, wobei dieser sich weniger mit den Gebäuden als mit dem Aussenraum in die Gesamtanlage zu integrieren weiss, die beiden originalen Bauten bleiben im neuen Umfeld letztlich doch fremd.

Die publikumswirksamen Nutzungen konzentrieren sich im EG im Generationenhaus, die gemeinschaftlichen Nutzungen im Quartierhaus, und um den Generationenplatz eröffnen sich vielfältige Nutzungen für die Quartierbewohnerschaft. Das Atelierhaus ergänzt die Vielfalt der Wohnnutzungen. Die Bethlehemstrasse wirkt besonders durch die Setzung des Quartierhauses und die offenen Zugänge zum Langobardenplatz und auf den Generationenplatz auch für Nicht-Bewohner* innen offen und regt zur Teilhabe an. Der zweistöckige Schulpavillon mit der Spielwiese liegt an der Keltengasse, quasi im Innenhof der angrenzenden Wohnbaute. Die Holzdecks bei den Eingängen der inneren Gassen bilden stimmige Übergänge und regen zur Aneignung an.

Mittlere, ausgewogene Nachhaltigkeit mit Ausnahme bei der Wirtschaft und der Nutzungsvielfalt. Kompakte Gebäude mit eher viel GF, einer schlechten Flächeneffizienz und viel unterirdischer GF. Die Zielwerte SIA-Effizienzpfad Energie (Merkblatt 2040) können nur mit Einschränkungen erreicht werden. Mittlerer Anteil an Grünfläche und Bäume entlang der Bethlehemstrasse unterstützt eine ausgewogene Biodiversität. Das Projekt hat ein schwaches Potential zur Erreichung der Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft.

Das Gesamtprojekt liegt im Quervergleich in den Geschossflächen leicht über dem Durchschnitt. Das Projekt erzielt die zweithöchsten Erstellungskosten. Die Anzahl Wohnungen sind mit 372 Wohnungen das zweittiefste Ergebnis. Es wird eine gute Ausnutzung von Hauptnutzfläche zu Geschossfläche erreicht.

Das sorgfältig ausgearbeitete Projekt bringt in vielen Aspekten bemerkenswert gut durchdachte Vorschläge. Sein Hauptverdienst ist es, nahtlos eine schrittweise Transformation der heutigen Meienegg zum Stadtquartier zu entwickeln und diese so zu organisieren, dass in den Zwischenständen eine langfristig gute Qualität angeboten werden kann. Unsicherheiten verbleiben in der noch zu präzisierenden Stellung einzelner Gebäude und in der stellenweise etwas zögerlichen Ausformulierung des städtischen Aussenraumes.

Collage Projekt Nr. 2 | 4. Rang | 4. Preis

Architektur

Aebi & Vincent SIA Architekten AG, Bern
Bernhard Aebi, Can Serman, Jeannine Blank, Léon Leuba, Mark Drewanowski, Stefan Gerber, Adrian Scheidegger

Landschaftsarchitektur

Andreas Geser Landschaftsarchitekten AG, Zürich
Andreas Geser, Jasmin Rötheli

Beigezogene Fachspezialisten

WAM Planer und Ingenieure AG, Bern
Gartenmann Engineering AG, Bern
enerconom, Bern
Amstein + Walthert Bern AG, Bern
WAM Planer und Ingenieure AG, Solothurn

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Projektbeschrieb:

Die Verfasser*innen leiten ihr städtebauliches Konzept plausibel aus der Analyse der historisch gewachsenen Siedlungsstrukturen der weiteren Umgebung ab. Sie identifizieren einzelne Siedlungen als nebeneinanderliegende Elemente eines «Patchwork-Teppichs» und stellen eine Unterversorgung an öffentlichen Grünflächen fest. Dieser Analyse folgend, unterteilen sie das Areal in zwei städtebaulich und formal unterschiedliche Bebauungen mit auffallend grossmassstäblichen Grünräumen.

Collage ist ein Quartier mit klassischen städtischen Elementen – Platz, Park, zentraler Erschliessungsachse, Gärten und Wegverbindungen. Entlang der Bethlehemstrasse platzieren die Verfasser*innen vier Zeilenbauten, die eine neue Parkanlage im Inneren einrahmen. Die vier Punktbauten entlang der Längsachse bilden die gegenüberliegende Raumkante des Parks. Als eine Art Scharnier sind sie zugleich die Kopfbauten einer formal differenzierten Zeilenbebauung, welche den Anschluss an die kleinteiligen Strukturen im Osten sucht.

Aus der Betrachtung der gegenwärtigen und künftigen Wegebeziehungen ist der Standort eines neuen, mit einem Boskett bepflanzten, öffentlichen Marktplatzes abgeleitet. Dieser wird durch zwei neun- bzw. sieben geschossige Gebäude mit gewerblichen Nutzungen im Erdgeschoss gefasst. Die Verfasser*innen stellen mit dem Boskett den historischen Namen «Stöckacker» als gestalterischen Ansatz für die Bebauung auf und schaffen einen städtebaulich interessanten Kontrapunkt zur Gebäudearchitektur. Ob die Massstäblichkeit dem Ort und der Funktion als Subzentrum angemessen ist, wird von der Jury bezweifelt.

Die üppigen Dimensionen des neuen Quartierparks erlauben es den bautypologisch und denkmalpflegerisch wertvollen Kindergarten der Siedlung Meienegg sowie einen grossen Teil des Baumbestandes zu erhalten. Der Park wird unterschiedlich gefasst. Im Westen grenzt er an die privaten Aussenbereiche der Zeilenbauten, im Osten an den neuen, grosszügigen «Boulevard». Durch die strassenseitige Erschliessung der Zeilenbauten, wird eine selbstverständliche Belebung des Quartierparks vergeben. Die Durchgänge zwischen den Zeilen sind auf das baurechtliche Minimum reduziert und als Zugänge zum öffentlichen Park wenig attraktiv. Die grosse und überraschende Geste würde von einer klaren Strukturierung der Ränder profitieren. So stehen aber die angrenzenden Häuser etwas bezuglos nebeneinander und es wird infrage gestellt, ob der Park für die gemeinsame Adressbildung stark genug ist.

Im Osten bilden die zwischen den Gartenhäusern liegenden Aussenräume mit ihren kleinteiligen Strukturen einen guten räumlichen Übergang zur Nachbarschaft. Der Anteil an «Selbstversorgergärten», wenngleich aus der lokalen Historie abgeleitet, ist überraschend hoch und es wird infrage gestellt, ob parzellierte Einzelgärten es vermögen, ein lebendiges Quartierleben zu gewährleisten. Der Platz hinter dem Grossverteiler hätte das Potential für einen überzeugenden und städtebaulich gut verorteten Aussenraum des Kindergartens. Die Kombination mit der Anlieferung und der Einstellhallenzufahrt ist jedoch nicht überzeugend.

Collage bietet über das Gesamtareal ein grosses Wohnungsangebot, auch wenn die meisten Wohnungen auf derselben Durchwohn-Typologie beruhen. Die geforderten Alterswohnungen liegen am neuen «Marktplatz», ebenso wie die für den Standort neue Typologie der Clusterwohnungen. Attraktive Begegnungsräume bieten vor allem die Gartenhäuser mit den offenen Treppenhäusern und breiten Laubengängen. Die Platzierung von Gemeinschaftsangeboten und Ateliers in den punktförmigen Kopfbauten der Gartenhäuser stärkt die Bedeutung der Quartiererschliessung. Die Zweiteilung des Entwurfs in parkflankierende Zeilenbauten entlang der Bethlehemstrasse und «Gartenhäuser» im Osten schafft aber unterschiedliche Wohnqualitäten und provoziert eine Zweiteilung auch in qualitativer Hinsicht.

Die Tragstrukur der Gebäude ist einheitlich aus Stahlbeton, die Fassaden werden je nach Gebäudetyp im Ausdruck variiert. An der Strasse sind die Gebäude verputzt, entlang der Mittelachse ergänzen unterschiedliche Ausfachungen ein Raster aus Sichtbeton und die Fassade der Gartenhäuser sind in Holz geplant. Die Absicht Bauten unterschiedlich auszubilden, wird von der Jury geschätzt. Eine grössere Disziplinierung zu Gunsten einer klaren Zonierung und Fassung der Aussenräume hätte den städtebaulichen Grundgedanken vermutlich stärker gestützt. Dies zeigt sich insbesondere in der formalen Differenzierung und gleichzeitiger Verbindung der Kopf- und Gartenbauten.

Die Etappierung ist überzeugend und sehr gut gelöst. Besonders gewürdigt wird, dass die noch erhaltenen Bestandsbauten zusammen mit den Neubauten zu jedem Zeitpunkt ein weiterhin funktionierendes Quartier bilden.

Kompakte Gebäude mit wenig GF und optimaler Flächeneffizienz führen zu einer starken Nachhaltigkeit über alle Bereiche. Die Zielwerte SIA-Effizienzpfad Energie (Merkblatt 2040) können sicher erreicht werden. Der hohe Grünflächenanteil unterstützt eine ausgewogene Biodiversität und der Entwurf setzt sich dezidiert mit Fragen des Stadtklimas auseinander. Das Projekt hat ein gutes Potential zur Erreichung der Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft.

Das Projekt liegt im Quervergleich bezüglich Mengenangebot und zu erwartenden Kosten leicht unter dem Durchschnitt. Die Wohnungsanzahl mit 380 Wohnungen und das Verhältnis von Gebäudehülle zu Geschossfläche liegt im Durchschnitt.

Collage bietet einen fundierten und analytischen Ansatz, wie die bestehende Siedlung Meienegg in ein neues Quartier transformiert werden könnte. Der Entwurf weist einen begrüssenswert hohen Anteil an Begrünung mit einem klar formulierten Gestaltungsansatz auf. Die Zweiteilung des Areals, verbunden mit den grossmasstäblichen Aussenräumen im westlichen und der relativen Enge im östlichen Teil werden jedoch kritisch hinterfragt.

Werkgasse Projekt Nr. 6 | 5. Rang | 5. Preis

Architektur

ARGE Ruprecht Architekten & HILDEBRAND, Zürich
Rafael Ruprecht, Thomas Hildebrand, Oliver Vogler, Verena Jehle, Stefan Amann, Emi Santer, Patricia Müller, Julia Zugenmaier, Rabea Heilos

Landschaftsarchitektur

Weber + Brönnimann Landschaftsarchitekten AG, Bern
Pascal Weber, Hanna Schwartze, Katrin Grossenbacher

Beigezogene Fachspezialisten

Grolimund + Partner AG, Bern
Weber + Brönnimann Bauingenieure AG, Bern

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Projektbeschrieb:

Das Projekt «Werkgasse» greift struktural zwei unterschiedliche Siedlungselemente auf. Es belässt längs der Bethlehemstrasse das aus der Meienegg-Siedlung bekannte Grundmuster des Zeilenbaus und schafft in dessen Mitte einen Langobardenplatz, der an die aufgehobene Langobardenstrasse erinnern soll. Die Wirkung dieser Zeilenbauten wird durch die neue Werkgasse gestützt und aufgewertet, welche das Baufeld teilt und daran erinnert, dass Verkehrsverbindungen und die kommunale Versorgung und Entsorgung wesentliche Voraussetzungen für eine urbane Entwicklung darstellen.

Das höchste, zurückversetzte Gebäude entlang der Bethlehemstrasse bildet zusammen mit dem Langobardenplatz und der Tramhaltestelle den Auftakt zur Siedlung und stärkt die Ankunftssituation. Die Haupterschliessung der Strassengebäude ist über die Werkgasse gelöst. Erschlossen werden die Wohnungen über Laubengänge mit Gemeinschaftsbalkons. In den zwei obersten Geschossen des Gebäudes am Langobardenplatz entfaltet sich ein interessantes Angebot an Kleinwohnungen für Rentner*innen und Studierende – ein Wohnen im Stöckli.

Die Werkgasse erschliesst die neue geplante Siedlung, welche unter dem Bereich Hofstätten an das ländliche Leben im Gebiet Bern-Bümpliz erinnern möchte, ehe Bümpliz und Bethlehem eingemeindet und zum städtischen Entwicklungsfeld im Westen der Stadt Bern wurden. Die Verfasser*innen greifen dabei auf den Typus des Dreispänners zurück, der bautypologisch aus der Siedlung Meienegg als architektonische Grundform bekannt ist, staffeln die neuen Dreispänner in Ost-West-Richtung von der Keltenstrasse bis zur Stöckackerstrasse und planen baumbestandene Rasenparterres als Abstandhalter zwischen die Dreispänner ein.

Die Wohnungen in den Hofstätten sind gut strukturiert und lassen spannende Raumfolgen erwarten. Die meisten sind als Durchschusswohnungen organisiert und werden angenehm besonnt. Bei einigen könnten die Zugänglichkeiten zu den einzelnen Zimmern über das Wohnzimmer etwas einschränkend für die Möblierbarkeit des Wohnzimmers sein.

Die Gebäude sind allesamt in Massivbauweise angedacht und hell verputzt. Um die Gebäude zu nobilitieren, werden Bereiche im Erdgeschoss mit Kunststein belegt und die Loggien hölzern ausgekleidet. Durch die gleichförmige Behandlung der Fassaden gelingt es nicht, auf die jeweilige Situation in der unmittelbaren Umgebung einzugehen. Der äussere Ausdruck scheint unspezifisch und zu beliebig und es fehlt an Charakter und Atmosphäre, die ein neues Quartier unbedingt braucht.

Die neue parallel zur Bethlehemstrasse gelegene Werkgasse schafft eine Doppelerschliessung der Gebäude. Sie will eine urban wirkende Innenverbindung generieren, die Langobardenstrasse wird aufgehoben. Von der Werkgasse als städtebaulichem Rückgrat gehen die ruhigeren Wohn-Hofstätten ab. Hier ist das Projekt Werkgasse Siedlung. Fünf gleich gestaltete Fuss- und Veloverkehrswege erschliessen die Längsbauten in den Hofstätten, schaffen eine hohe Durchlässigkeit und binden das neue Quartier an die Keltenstrasse im Osten und an die weitere Umgebung an. Die Ausformulierung der Werkgasse lässt eine charakteristische, quartierprägende Identität mit spannungsreichen Platzfolgen und durchgehendem Möblierungsprinzip erwarten.

Der Kindergarten wird seitens Bethlehemstrasse erschlossen und die (privaten) Aussenräume liegen in der Werkgasse, was beides nicht ideal ist. Entlang der Werkgasse sind auch Spielflächen, ein Spielplatz und ein Gemeinschaftsraum angelegt, was das Quartierleben in der Gasse aufwertet. Die Verfasser* innen schlagen für die Werkgasse eine Bepflanzung mit bildprägenden Kleinbäumen vor – aufgrund der durchgängigen Unterbauung mit der Tiefgarage ist dem Substrataufbau hier besondere Aufmerksamkeit beizumessen.

Die Zeilenbauten der Hofstätten liegen in naturnahes, aneigenbares Grün gebettet, das mehr ist als Abstandsgrün. Es nimmt die wechselseitig vorspringende, ost-westorientierte Erschliessung der Zeilenbauten auf und schafft so attraktive Räume für Alltagsbegegnungen zwischen Bewohner*innen, Besucher*innen und Passant*innen. Zusätzliche informelle Quererschliessungen, die insbesondere den Bewohner*innen zur Verfügung stehen; die Umgebungsgestaltung wirkt hierbei auf zurückhaltende Art unterstützend.

Das Projekt setzt sich intensiv mit stadtklimatischen Fragestellungen und -Erfordernissen auseinander. Trotz einer hohen Dichte gelingt es den Verfasser*innen, den Anteil versiegelter und unterbauter Flächen auf ein Minimum zu beschränken.

Die vorgeschlagene Etappierung in 3 Etappen ist nachvollziehbar und könnte in dieser Art umgesetzt werden. In der ersten Etappe wird die Langobardenstrasse als natürliche Grenze respektiert, doch wird es schwierig werden, die benötigten Aussenraumflächen anbieten zu können. Es entsteht eher ein Nebeneinander als ein Miteinander.

«Werkgasse» erreicht eine mittlere, ausgewogene Nachhaltigkeit über alle Bereiche. Die Zielwerte SIA-Effizienzpfad Energie (Merkblatt 2040) können sicher erreicht werden. Der grosse Anteil an Grünflächen und Bäumen entlang der Bethlehemstrasse unterstützt eine ausgewogene Biodiversität. Das Projekt hat ein gutes bis sehr gutes Potential zur Erreichung der Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft.

Im Quervergleich liegt das Projekt bezüglich Mengen, Kosten und der Wohnungsanzahl (375) unter dem Durchschnitt und die Gebäudekörper erreichen ein durchschnittliches Verhältnis von Gebäudehülle zu Geschossfläche.

Der Projektvorschlag zeigt einen vielversprechenden städtebaulichen Ansatz für die zukünftige Entwicklung des Areals auf. In der genaueren Betrachtung vermögen jedoch die angebotenen Grundrisstypologien, insbesondere der Strassengebäude, nicht zu überzeugen. Auch fehlt es im Aussenraum an Vielfallt und Attraktivität, und die Fassadensprache vermag keinen charaktervollen Beitrag für das neue Stadtquartier zu leisten.

Meienegg Projekt Nr. 1 |

Architektur

W2H Architekten AG, Bern
Andreas Wenger, Alexandre Zommerfelds, Terézia Turcanova, Thomas Feider, Nadja Zurkinden

Landschaftsarchitektur

Klötzli Friedli Landschaftsarchitekten AG, Bern
Hans Klötzli, Tamara Hostettler, Joris Egger

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Projektbeschrieb:

Der Strategie einer Differenzierung verpflichtet, entsteht auf dem Areal ein kleingliedriges, vielfältiges Ensemble unterschiedlicher Elemente. Mit der neuen Meieneggstrasse, der ausgebauten Langobardenstrasse und der Keltengasse wird das Quartier auch für Aussenstehende gut durchwegt, alle Häuser profitieren von einer klaren Adressierung. Allerdings ist der Charakter dieser für das Quartierleben entscheidenden Zonen nur zum Teil spezifisch. Statt einer entschlossen städtisch wirkenden Ausstrahlung wird oft eher auf ein etwas diffuses Nebeneinander von hart und weich gesetzt.

Das Anlegen der Keltengasse erzeugt einen interessanten städtischen Aussenraum, jedoch liefert sie mit der Zwischenzeile keinen Betrag zur Logik der städtebaulichen Setzung. Als sehr zurückhaltend wird das Angebot und die Ausbildung der Nichtwohnnutzungen empfunden, eine entschlossene Belebung des Strassenraumes erfolgt nur punktuell. Wohltuend ist die Beschränkung auf fünf Geschosse, auch das siebengeschossige Eckhaus passt sich gut in den Kontext ein, lässt aber strassenseitig sehr wenig Freiraum. Der Übergang zum nordöstlichen Quartier funktioniert aussenräumlich gut, ist aber volumetrisch etwas hart.

Es werden vier unterschiedliche Gebäudetypen mit sehr rationellen Grundrisstypologien vorgeschlagen, die Wohnzimmer der Zeilenbauten sind in der Breite eher knapp dimensioniert. Eine relativ einheitliche, nicht sehr ambitioniert wirkende Aussenhaut überzieht alle Fassaden und bewirkt auf der Ebene der Gebäude einen guten Zusammenhalt. Die Ausbildung der drei Sockelgeschosse mit umlaufenden Lauben reagiert geschickt auf die Dreigeschossigkeit des Bestandes, erzeugt mit ihrer raumgreifenden Wirkung aber eher Fremdheit statt Annäherung zum muralen Bestand. Die Wohnqualität wird teilweise durch zu enge Verhältnisse im Aussenraum beeinträchtigt.

Das Projekt Meienegg hat zum Ziel, durch das Vernetzen der Strassen und Wege wie auch durch das Verbinden der Grünräume, die neue Siedlung in das angrenzende Freiraummuster einzubinden. Mit der neu angelegten Keltengasse, Langobarden- und Meieneggstrasse gelingt es, sämtliche Gebäude zu adressieren und zugleich eine öffentliche Durchwegung sicherzustellen. Der Öffentlichkeitsgrad des Aussenraumes nimmt zu den Höfen hin ab. Dies ist auch mit der Materialisierung und durch die Bepflanzung schlüssig erkennbar.

Der Vegetation kommt allgemein eine grosse Bedeutung zu. Ein Bepflanzungskonzept hilft der Orientierung und ist identitätsstiftend zugleich. Eine ganze Palette an verschiedenen Pflanzenarten – Strassenbaum bis zur Schlingpflanze – kommen zum Einsatz. Diese vielseitige Anwendung der Vegetation, wie auch der grosse Anteil Grün- und durchlässigen Belagsflächen helfen den Ort zu kühlen und zugleich die Biodiversität zu fördern. Gesamthaft scheint der Freiraum trotz klarer Hierarchisierung der Öffentlichkeitsgrade, welche durch die Bepflanzung akzentuiert wird, noch etwas gleichförmig und auswechselbar. Mit der ersten Etappe ergibt sich ein interessanter und in volumetrischer Hinsicht auch für längere Dauer gültiger Dialog zwischen alt und neu, während der Bestand in der zweiten Etappe etwas bedrängt und isoliert wirkt und ein Zusammenhang der drei erhaltenen Elemente kaum mehr erfahrbar ist.

Das qualitätsvolle Ziel wird von den Verfasser*innen nach Abschluss der 2. Etappe gesehen, mit dem Erhalt von drei Bestandesbauten, hier knüpfen auch die sozialplanerischen Überlegungen an. Die aufgehobene Keltenstrasse schafft Grünraum gegen Osten und die neu angelegte Meieneggstrasse macht die Erschliessung der neuen und alten Baukörper über einen gemeinsamen Weg und damit für Alltagsbegegnungen zwischen der Bewohnerschaft möglich. Die ebenfalls parallel liegende neue Keltengasse ist attraktiv und ermöglicht Begegnungen zwischen den Bewohner*innen auf engem Raum, allerdings liegt der Hauptankunftsort der Gebäude Seite Bethlehemstrasse.

Die zwei innenliegenden grüneren Innenhofbereiche sind nur für die Bewohner*innen der neuen Bauvolumen direkt erschlossen und somit den Bewohner*innen der Bestandesbauten nicht direkt zugänglich oder aneigenbar. Vereinzelte Ateliers und eine Quartierwerkstatt ergänzen die Nicht-Wohnnutzungen neben den publikumswirksamen Nutzungen im Kopfbau im Süden – inklusive einer gemeinschaftlich nutzbaren Dachterrasse in diesem. Der Gemeinschaftsraum steht mittig vis-à-vis des Kindergartens am Ostrand mit dazugehörigem Aussenraum. Ansonsten besteht wenig Vielfalt bei den EG-Nutzungen, der Fokus liegt beim (Siedlungs-) Wohnen. Ausgewogene Nachhaltigkeit mit Ausnahme bei der Wirtschaft. Die Zielwerte SIA-Effizienzpfad Energie (Merkblatt 2040) können erreicht werden. Das Projekt hat ein gutes Potential zur Erreichung der Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft.

Das Gesamtprojekt erreicht im Quervergleich eine durchschnittliche Geschossfläche und überdurchschnittliche Erstellungskosten. Somit wird das höchste Verhältnis von den Kosten zu der Geschossfläche erreicht.

Auf konsequente Art wird eine weitgehend auf den Spuren der heutigen Meienegg basierende, differenzierte und kleinteilige Wohnumgebung entwickelt mit dem Ziel, dadurch eine nahtlose Integration in die sehr unterschiedlich geartete Umgebung zu erreichen. Bei aller Anerkennung des Ansatzes wirkt die Durchführung in mehreren Bereichen wenig zwingend, eine Stadtwerdung der Siedlung bleibt nur in Ansätzen erkennbar. Zudem irritiert in Teilen eine gewisse räumliche Enge.

SEMPLICITTÀ Projekt Nr. 4 |

Architektur

ARGE reinhardpartner AG, werkgruppe agw, Bern
Jürg Sollberger, Simon Gysel, Larissa Loretan, Maya Nussbaum, Martin Zulauf, Micha Zahnd, Jenas Ziegler

Landschaftsarchitektur

Moeri & Partner AG, Bern
Daniel Moeri

Beigezogene Fachspezialisten

Quaint Illustration, Zürich

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Projektbeschrieb:

Mit einer dreiteiligen Bebauungsstruktur tritt das Projekt in Kontakt zur heterogenen Umgebung: Markanter 10-geschossiger Hochbau an der Südecke als Schwerpunkt, 6 bis 7-geschossige Längsbauten im Westen zur Bethlehemstrasse und kleinere Häuser zum kleineren Massstab des östlich angrenzenden Quartiers hin. Die drei Teile umschliessen eine grosse Freifläche im Innern des Quartiers, welche auf ihrer vierten Seite durch Kindergarten und Schule begrenzt wird. Diese Disposition ist im Grundsatz vielversprechend, da sie im Innern Zusammenhalt verspricht und gegen aussen Differenzierung. Speziell die sehr städtische Haltung gegen Südwesten und die klare Definition des öffentlichen Raumes werden positiv beurteilt.

Die prägnante architektonische Durchbildung des Auftrittes zur Stadt lässt trotz Strenge eine gewisse Lockerheit mitschwingen und wirkt passend. Die 6 bis 10-geschossige Ausbildung entlang der Bethlehemstrasse wird geschätzt, definiert allerdings ein Maximum der dort möglichen Präsenz. Während der Turmbau zur Strasse hin mit einem kleinen Rücksprung gut positioniert ist, befriedigen die räumlichen Verhältnisse auf seiner Rückseite nur teilweise; im Bereich des Aufeinandertreffens von Auftaktplatz und Quartierpark wirken die aussenräumlichen Bezüge eher beliebig als präzis. Auch wenn die Ableitung aus der Anordnung der Meienegghäuser an sich logisch ist, führt die Geometrie des Kreissegmentes auf der Ostseite des Quartierplatzes eine im Quartier fremde, formale Komponente ein. Der Grundidee entsprechend werden drei Gebäudetypologien mit unterschiedlichen Wohnarten aufgezeigt, die vielfältig strukturiert sind und insgesamt sehr interessante Ideen anbieten, teils aber an der Grenze der machbaren Gebäudetiefen liegen.

Die öffentlichen Erdgeschossnutzungen sind richtigerweise im Turmhaus untergebracht und auf Strassen und den Ankunftsplatz orientiert, im restlichen sind sie unterschiedlich angeordnet: An der Bethlehemstrasse wird im Hochparterre gewohnt mit einem Anteil Atelierwohnungen die fast bis auf Strassenniveau reichen, die belebenden Nutzungen befinden sich weiter hinten am Quartierpark. Das unterstreicht den Stellenwert des internen Quartierplatzes, wirkt aber in Zusammenhang mit dem angestrebten städtischen Auftritt auch etwas überraschend.

Der belebte Ankunftsplatz, etwas südlich von der Tramhaltestelle Stöckacker gelegen, heisst Bewohner*innen wie Besucher*innen in der neuen Siedlung willkommen. Die am Platz gelegenen Nutzungen tragen zur Belebung des Platzes bei, ebenso wie das Café, das das südliche Ende der strassenbegleitenden Zeilenbauten besetzt.

Zwischen zwei Baukörpern öffnet sich die «grüne Mitte», ein Wasserspiel weckt Interesse, seinem Lauf entlang zu folgen. Es ist das zentrale, verbindende Element, das den grosszügig bemessenen, offenen Platz-Parkraum von Süd nach Nord, dem natürlichen Gefälle des Areals folgend, durchfliesst. Die grüne Mitte ist zweigeteilt, ein baumbestandener, chaussierter «Quartierplatz» im Süden, eine offene Wiesenfläche im nördlichen Teil mit eingebetteter Rasenspielfläche.

Trennend verbindet eine langgestreckte Pergola die beiden Flächen. Entlang des Bachs läuft auch die asphaltierte Innenerschliessung für den Langsamverkehr, in den flankierenden Kopfbauten schlagen die Verfasser*innen weitere gewerbliche EG-Nutzungen vor, die zur Belebung des Quartierinneren beitragen. Obgleich die Vielfalt an räumlichen Einzelelementen hoch ist, wird ein klarer Bezug zwischen ihnen vermisst. Die Absicht, Nachbarschaften erzeugen und Begegnungen ebenso wie Aneignung ermöglichen zu wollen, ist erkennbar, jedoch scheinen die gewählten Mittel in Ansatz, Ausführung und Erläuterung noch zu wenig stark, um spannungsvolle, aufeinander bezugnehmende Raumfolgen zu schaffen. Die wenig abwechslungsreiche Darstellung der Aussenräume von Haus A ist hierfür symptomatisch.

Die Verfasser*innen schlagen 3 Etappen vor, von Süd nach Nord, wobei die vier Zeilenbauten entlang der innerquartierlichen Falkenstrasse die dritte Etappe bilden. Während dies in der ersten Etappe einen guten Zwischenstand ergibt, führt es später zu einem etwas bezugslosen Nebeneinander der Gebäude: Da die Altbauten von Osten erschlossen werden haben sie keine gute Anbindung zum neuen Quartierteil. Dieses Abkoppeln wird kritisch interpretiert, auch in Bezug zu den in der 3. Etappe zwischen den Gebäuden neu geschaffenen Aneignungsflächen: die Bewohner*innen haben ihre Bezugsorte und neuen Alltagswege längst gefunden, bevor das neue Angebot entsteht.

Gewürdigt wird der namensgebende Entwurfsansatz, «SEMPLICITTÀ »: Die Lösung im Einfachen, Selbstverständlichen, Niederschwelligen suchen. In sozialplanerischer Hinsicht sind gute Ansätze erkennbar, die aber in Bezug auf das gewünschte Angebot zu Begegnungen und Austausch nicht sehr präzis ausgearbeitet sind. Die Privatheit innerhalb des Quartierteils nimmt von West nach Ost zu. Gewohnt wird auch im EG, teilweise mit vorgelagerten klassischen Vorgärten. Deren Qualität beim nördlichen Zeilenbau an der Bethlehemstrasse wird infrage gestellt.

Positiv gewürdigt wird, dass der Haustyp A halböffentliche EG-Nutzungen und gemeinschaftliche Dachterrassen aufweist, ebenso wie eine gemeinschaftsfördernde Laubengangerschliessung. Ebenso zu überzeugen mag das Angebot von Waschen und Trocknen im EG gegen den Hof im Typ Haus B; die Gewerberäume an der Kopfseite im Süden sollen durch die Bewohner*innen mitbestimmt werden. Die Positionierung des Biotops wird aufgrund seiner Lage an der Strasse und in unmittelbarer Nähe zu Schule/Kita als nicht unproblematisch empfunden.

Starke Nachhaltigkeit über alle Bereiche. Die Zielwerte SIA-Effizienzpfad Energie (Merkblatt 2040) können erreicht werden. Das Projekt hat ein sehr gutes Potential zur Erreichung der Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft.

Das Gesamtprojekt liegt im Quervergleich in den Mengen und Kosten unter dem Durchschnitt. Das Projekt erzielt die tiefste Geschossfläche.

Mit der Entschlossenheit seines Auftrittes zu den Strassen hin, dem Quartierplatz und der zurückhaltenden Offenheit zum Quartier verspricht das Projekt sowohl schöne innere Qualitäten wie eine gute Eingliederung im Kontext. Vorbehalte ergeben sich im Bereich des Aussenraumes, wo eindeutige, schlüssige Zuordnungen und eine stimmungsvolle Gestaltung nicht überall ersichtlich sind.

PARABEL Projekt Nr. 10 |

Architektur

Schär Buri Architekten AG, Bern
Fritz Schär, Sergio Anthamatten, Matthias Balmer, Patric Beutler, Silvia Beutler, Bruno Buri, Jochen Lambmann

Landschaftsarchitektur

David Bosshard Landschaftsarchitekten AG, Bern
David Bosshard, Roman Kubisch

Beigezogene Fachspezialisten

Grolimund + Partner AG, Bern

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Projektbeschrieb:

Parabel versteht sich als Generationenprojekt und hat zum Ziel, einen zusammenhängenden Teil der heutigen Meienegg langfristig der Nachwelt zu erhalten und trotzdem eine markante Verdichtung zu erzielen. Folgerichtig wird auf das Vorlegen eines Vorschlages für den Vollausbau verzichtet. Diese Absicht wird gewürdigt und im Grundsatz als ausgesprochen wertvoll beurteilt.

Zur Anwendung kommt eine Strategie der verdichteten Ränder mit innenliegenden Grünräumen und Hofhäusern. Das Projekt erhält sechs der insgesamt 13 Zeilenbauten der Siedlung Meienegg von Hans und Gret Reinhard: Drei Dreispänner des Bautypus II im Zentrum der bisherigen Anlage und drei Dreispänner des Typus I längs der Wegverbindung im Nordosten der Siedlung. Die restlichen Bestandesbauten werden im Zuge der Etappierung durch Neubauten ersetzt, auch der Kindergarten-Pavillon. Damit gelingt es in der Tat, einen zusammenhängenden Teil des Meienegg-Bestandes sowohl volumetrisch wie im Aussenraum zu erhalten. Allerdings wird dieser Bestand durch die Verdichtung der Ränder im stadträumlichen Bezug leider isoliert und wirkt angesichts des massiven Massstabssprunges ein wenig bedrängt: Städtebaulich fehlt dem Projekt eine ausgewogene Balance zwischen den volumetrisch mächtigen Neubauten und dem Altbaubestand, die Verdichtung der Ränder stützt nicht die städtebauliche Wirkung der Altbauten, sondern mindert sie. Die Erschliessung und Adressierung inbesondere der mittleren Reihe der Bestandesbauten ist umständlich. Der Abbruch und Ersatz des heutigen Kindergartens scheint im vorgelegten Konzept möglich, aber nicht zwingend.

Die Neubauten zeigen eine einfache, zum Teil in freiem Bezug aus dem Bestand abgeleitete Sprache, die aufgelockerten Fronten zum Hof hin lösen die Mauerwirkung der hohen Fassaden etwas auf, wirken aber im Kontext der auch kubisch sehr einfach gehaltenen Bestandesbauten unruhig. Die zum Erreichen einer genügenden Dichte zum Teil sehr tiefen Grundrisse sind generell geschickt gelöst und zeigen hohe Wohnqualitäten. Sehr sorgfältig nachgewiesen werden Massnahmen im Bereich der erhaltenen Bestandesbauten, die mit einer südseitigen Schicht erweitert werden. Dadurch könnte das Komfortniveau in glaubwürdiger Art auf heutige Ansprüche angehoben werden. Es bleibt die Frage, wie weit sich diese Massnahmen angesichts der unvermeidlichen Beeinträchtigung der Qualitäten und des Charmes der Bestandesbauten rechtfertigen liessen.

Die ursprüngliche Siedlung Meienegg lehnt sich in ihrem städtebaulichen Entwurf an Otto Rudolf Salvisbergs Entwurf für die Erweiterung der Gartenstadt Staaken in Berlin an, verzichtet aber auf die für Gartenstädte üblichen Vorgärten und schafft grosszügige Rasenparterres zwischen den Dreispännern der Anlage. Wenige Hochstammbäume säumen Strassen und Wege; Espaliers (Lattengerüste für Spalierobst) als fernes Echo der Landi 39-Architektur schmücken einen Teil der W- und O-Fassaden der Dreispänner. Das Projekt «Parabel » erweitert nun die W-Fassaden aller Dreispänner mit einer zusätzlichen Balkonschicht, führt zu einem Verzicht auf die Espaliers und sieht eine wesentlich dichtere Bepflanzung der ehemaligen Rasenparterres mit Bäumen vor. Der ästhetische Wert der Rasenparterres vermindert sich zu Gunsten des ökologischen. Generell wird der Versuch, die beiden unterschiedlichen Siedlungsteile auf der Ebene des Aussenraumes zusammenzuführen, aber als sehr wertvoll bewertet.

Dem Projekt gelingt es aufzuzeigen, dass verdichteter Wohnungsbau auch stadtklimatische Belange berücksichtigen kann. Die städtebauliche Setzung der Gebäude in offener Struktur wirkt sich günstig auf Durchwindung und Luftzirkulation und damit auch auf die nächtliche Abkühlung aus. Die Jury beurteilt den hohen Anteil begrünter, unversiegelter Flächen in dieser Hinsicht positiv, ebenso den weitgehenden Erhalt des bezüglich Verdunstungskühle, Biodiversität, CO2-Bindung und Luftreinigung wertvollen Altbaumbestands.

Die dargelegten Etappierungsvorschläge sind nachvollziehbar und bringen in ihrer feinen Abstufung vor allem in sozialer Hinsicht viele Vorteile. Ein Vorschlag für den Vollausbau fehlt. Entsprechend der Grundhaltung des Bewahrens wird weiterhin weitgehend auf das Prinzip der Gartenstadt gesetzt, ein erlebnisreicher, in Ansätzen städtischer Aussenraum wird nur am an sich richtigen Ort in der Südecke angeboten, was in Bezug auf die Ausdehnung des Gesamtareals als sehr zögerlich beurteilt wird. Der Erhalt von sechs Dreispännern kann als Chance zum Erreichen der im Wettbewerbsprogramm geforderten Nutzungsvielfalt gesehen werden.

Dennoch ergeben sich aus dem Projekt eine ganze Reihe von gewichtigen Einwänden: Der Entscheid der Verfasser*innen, sechs Bestandsbauten zu erhalten und lediglich im Bereich der zentralen Sanitärräume (Bad / Küche) zu sanieren und durch vier Zeilen-Neubauten zu ergänzen, führt zum Erhalt eines weiterhin introvertierten Gesamtausdrucks. Die Veloabstellplätze wie auch die Wasch- und Trockenräume sind als geschlossene Räume im UG geplant, im südlich gelegenen Neubau sogar im 2. UG. Im bestehenden Haus A3 im Süd-Osten werden im UG «Atelier / familienergänzende Angebote» vorgeschlagen. Die Lage wird als unattraktiv eingeschätzt, der im Wettbewerbsprogramm geforderte Kindergarten fehlt, ein quartierübergreifender Gemeinschaftsraum wird in einem Pavillon im Zentrum vorgeschlagen. Die östlich gelegenen Erschliessungen der weiterhin nicht barrierefreien Bestandsbauten bleiben erhalten, lediglich bei den Neubauten an Bethlehem- und der nördlichen Keltenstrasse sind durchgesteckte Eingänge strassen- und hofseitig vorgesehen. Mit Ausnahme des südlichen Neubaus schlagen die Verfasser* innen in allen Gebäuden Wohnen bis ins Erdgeschoss vor. Direkte Ausgänge insbesondere der EG-Wohnungen zu den weitläufigen Freiraumstrukturen sind nicht vorgesehen.

Gesamthaft vermisst das Preisgericht Vorschläge, die nachbarschaftlichen Strukturen und Alltagsbegegnungen fördern und Bewohner*innen wie auch Quartier zu Aneignung und gemeinschaftlichen Aktivitäten einladen. Die engen Zugänge insbesondere zwischen den Neubauten und an den Übergängen von Alt- und Neubauten wirken wenig einladend für das Quartier; die Jury stellt infrage, dass die ausschliesslich im südlichen Neubau vorgeschlagenen gewerblichen EG-Nutzungen als Attraktor hinreichend für ein attraktives neues Quartier wirken.

Ausgewogene Nachhaltigkeit mit Ausnahme bei der Gesellschaft (soziale Nachhaltigkeit). Die Zielwerte SIA-Effizienzpfad Energie (Merkblatt 2040) können erreicht werden. Das Projekt hat ein kleines Potential zur Erreichung der Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft.

Das Gesamtprojekt liegt im Quervergleich in den Mengen und Kosten unter dem Durchschnitt. Es ist das tiefste Ergebnis in Bezug auf die Erstellungskosten. Das Projekt generiert die tiefste Anzahl der Wohnungen. Die Gebäudekörper sind kompakt und erreichen ein sehr gutes Verhältnis von Gebäudehülle zu Geschossfläche. Trotz Erhalt eines Teiles der Bauten bringt das Projekt im Vergleich mit den anderen Projekten in Bezug auf die zu erwartetenden Mietzinse keine Vorteile.

Die Absicht, einen Teil der Meienegg trotz Verdichtung langfristig zu erhalten, wird gewürdigt und als Diskussionsbeitrag geschätzt. Trotz grossen Qualitäten in seiner Grundhaltung und in einigen Teilbereichen gelingt es dem Projekt aber nicht, die beiden Meienegg-Teile überzeugend zu einer sich gegenseitig unterstützenden und stadträumlich gleichberechtigten Einheit zu formen.

Swing out Projekt Nr. 5 |

Architektur

Graber Pulver Architekten AG, Zürich
Marco Graber, Thomas Pulver, Mischa Trnka, Anna Abelló Lozano, Thais Ribeiro, Julian Ganz, Rafael Baumann, Senia Mischler

Landschaftsarchitektur

ghiggi paesaggi Landschaft & Städtebau GmbH, Zürich
Dominique Ghiggi, Lorenzo Fassi

Beigezogene Fachspezialisten

Zimraum GmbH, Zürich
EK Energiekonzepte AG, Zürich

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Projektbeschrieb:

Die Verfasser*innen beschreiben den Stadtteil Bern-West als ein heterogenes Gefüge isolierter Elemente und verfolgen die Strategie, diesem Gefüge einen weiteren, städtebaulich und formal autonomen Baustein hinzuzufügen. Diese Haltung mag durchaus konsequent sein, es stellt sich jedoch die Frage, ob der Stadtteil dadurch als Ganzes gewinnt.

Das Projekt Swing out schlägt 10 typologisch gleiche, polygonale Punktbauten vor, welche ein Gefüge von kleinteiligen Aussenräumen bilden und sich so zu einer «porösen Grossform» verbinden. Auf den ersten Blick vermittelt die ausgeprägte Figur der Grossform den Eindruck, allseitig gleich zu reagieren. Bei näherer Betrachtung wird dies jedoch relativiert, denn die Reaktion auf die Umgebung erfolgt durch unterschiedliche Höhenstaffelungen, die Verbindung der Punktbauten zu Doppeleinheiten entlang der Strasse und einer feinen Differenzierung der Rücksprünge zwischen der Bethlehem- und Keltenstrasse.

Auftakt zur Siedlung bildet der südliche, durch die höheren Kopfbauten gebildete Platz mit dem Zugang zum Grossverteiler und einer weiteren kleinen Gewerbefläche. Ab diesem und der Bethlehemstrasse kann das Quartier über breite diagonale Verbindungen und über unterschiedlich grosse und programmierte Gartenhöfe durchschritten werden. Bis auf den Kindergarten in der Mitte der Anlage und wenige Ateliers entlang der Bethlehemstrasse, sind die Erdgeschosse als Wohnungen ausgebildet. Ein Gemeinschaftsraum für die Bewohnerschaft zur Belebung des Quartiers ist nicht explizit erwähnt. Durch die konsequente Ausbildung der Punktbauten wirken diese ergänzenden Nutzungen, insbesondere der Kindergarten, etwas «in die Form gepresst».

Das Projekt referenziert auf die Gartenstadt und meint damit nicht bodennahes Wohnen, sondern vielmehr eine Ausdrucksform für die Gliederung der öffentlichen und privaten Räume. Entsprechend sind die Erdgeschosse als Hochparterre ausgebildet und Mauern mit Hecken bilden klare Grenzen zwischen den verschiedenen Zonen.

Die halböffentlichen Bereiche mit Wohngärten und gemeinschaftlichen Bereichen sind ringförmig um die Punktbauten angelegt, wobei sie bei den für Familien geeigneten Bauten entlang der Keltenstrasse gänzlich fehlen. Die sehr schmale Proportion führt zu einer konstanten Nähe zu den Erdgeschosswohnungen, weshalb bezweifelt wird, dass dieser Bereich tatsächlich gemeinschaftlich genutzt wird.

Die Gartenhöfe erfüllen unterschiedliche Anforderungen, sind aber formal durchwegs gleich ausgebildet. Diese konsequente, aber auch etwas aufdringliche Überzeichnung und die sehr klare Abgrenzung der halböffentlichen und öffentlichen Bereiche führt zu einer anonymen Umgebung und wirkt weder für die Bewohnerschaft noch für Dritte anregend für Gemeinschaftliches. Nicht-Bewohner der Siedlung fühlen sich nicht aufgefordert, das Innere zu erkunden oder sich dort aufzuhalten.

Swing out bietet einen breiten Wohnungsmix, welcher aufgrund der gleichen Volumetrie und Typologie regelmässig auf die Gebäude verteilt ist. Alternative Wohnformen wie Cluster oder Gross-WGs sind jedoch nicht vorhanden. Die Häuser sind als Punktbauten mit bis zu 6-spännigen Treppenhäusern konzipiert und jeweils eindeutig an der Strasse adressiert.

Dank der polygonalen Form entstehen spannende Grundrisse mit vielfältigen Raumbezügen und unterschiedlicher Belichtung. Allerdings führt diese Typologie auch dazu, dass an der Keltenstrasse einseitig Nordost orientierte Wohnungen angeordnet werden müssen. Die Parkierung wird ringförmig unter den Häusern durchgeführt, wodurch in der Arealmitte ein grosser unversiegelter Bereich entsteht. Dies ermöglicht eine gute Durchgrünung und erlaubt es, den wertvollen Baumbestand teilweise zu erhalten.

Das Projekt sieht eine Hybridbauweise vor, in der eine Stahlbetonstruktur durch verputzte Holzelemente an der Fassade ergänzt wird. Die Gebäude weisen eine umlaufende, einfach gegliederte Lochfassade auf. Durch unterschiedlich angeordnete Fenster, differenzierte Putze und Farbgebung entsteht ein angemessener Ausdruck mit gut proportionierten Fassaden.

Die vorgeschlagene Etappierung lässt sich bautechnisch gut umsetzen. Aufgrund der grossen Unterschiede zwischen dem Projekt und den Bestandsbauten bezüglich der Typologie und der Behandlung des Aussenraums entsteht jedoch in keiner Phase ein gemeinsames Ganzes.

Swing out hat eine sehr schwache Nachhaltigkeit über alle Bereiche. Die Zielwerte SIA-Effizienzpfad Energie (Merkblatt 2040) können nur mit Anpassungen am Projekt erreicht werden. Das Projekt hat ein kleines Potential zur Erreichung der Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft. Im Quervergleich der Kosten liegt das Projekt leicht über dem Durchschnitt. Dies bei der tiefsten Geschossfläche.

Bei diesem Projekt liegt sowohl die Stärke als auch die Schwäche im ausgeprägten Gestaltungswillen. Einerseits bietet Swing out ein eigenständiges Stadtquartier mit gut proportionierten Aussenräumen, andererseits entspricht die an französische Gartenkultur erinnernde formale Ausprägung der Umgebung nicht den Anforderungen einer genossenschaftlichen Siedlung an dieser Lage.

Kurs im Wind Projekt Nr. 9 |

Architektur

camponovo baumgartner architekten, Zürich
Luca Camponovo, Marianne Baumgartner, Axel Chevroulet, Deborah Truttmann, Matthias Ackstaller, Nina Hug, Karl Naraghi, Laura Pastior

Landschaftsarchitektur

EDER Landschaftsarchitekten BSLA, Zürich
Felix Eder

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Projektbeschrieb:

Durch unterschiedliche ‘Stadtbausteine’ wollen die Verfasser eine hohe Diversität auf dem Areal erzeugen. Sie setzen Gebäude, die differenziert auf die Nachbarschaft reagieren sollen. Dabei entsteht entlang der Bethlehemstrasse eine Kante aus vier hohen Baukörpern mit unterschiedlichen Typologien und unterschiedlichem Öffentlichkeitscharakter. An der Stöckackerstrasse markiert ein achtgeschossiges Gebäude, zusammen mit einem weiteren Punktbau, den Siedlungsauftakt. An der östlichen Parzellengrenze wird eine Kette aus sogenannten Stadtvillen aufgespannt, die mit ihrer Geometrie den Übergang zum Grünraum und den Nachbarbauten thematisieren. Im Norden kommen drei ähnlich ausgebildete Winkelzeilen mit Durchschusswohnungen zu liegen, welche die Strasse und die Gassen begleiten.

Der architektonische Ausdruck der Gebäude wirkt sehr verwandt. Auffallend sind die umlaufenden, gleichförmigen Fassadensprachen der Gebäude, die man aus den vorgeschlagenen Grundrissstrukturen nicht ableiten würde und wenig auf die doch sehr unterschiedlichen Begebenheiten wie Strassenseite und Grünraum eingehen. Ein eigenständigerer Charakter für die Typologien wäre wünschenswert und könnte den Entwurfsgedanken unterstützen.

Die fünf Stadtvillen sind über die Wohnstrasse erschlossen, Hecken grenzen die halbprivaten Zonen stark ab und privatisieren. Dem gegenüber sind die übrigen Bauten vielfältiger nutzbar für unterschiedliche Wohnbedürfnisse und gemeinschaftliches Zusammenleben. Die etwas gar grosse Anzahl an Gewerberäumen entlang der Bethlehemstrasse und in weiteren Gebäuden sowie die angebotenen Ateliers signalisieren eine urbane Ausstrahlung des Stadtquartiers. Gemeinschaftliche Dachterrassen mit Waschküchen regen zu nachbarschaftlichen Begegnungen an. Weiter ist ein Gemeinschaftsraum gegen den Quartierplatz vorgesehen. Die Kita im Gebäude entlang der Keltenstrasse teilt sich den Aussenraum im Innenhof mit der Bewohnerschaft der umliegenden Gebäude.

Die Grundrisse in den Gebäuden sind von unterschiedlicher Qualität. Bei dem mächtigen Stadttribühnengebäude vermögen die Wohnungen in den Sockelgeschossen nicht zu überzeugen. Die Wohnungen sind teils spärlich belichtet und räumlich wenig attraktiv. Bei den Durchschusswohnungen in den Zeilenbauten entfaltet das Trennelement in der Raummitte eine unangemessene Grösse und schränkt die Gebrauchstauglichkeit der Räume ein. Oft sind die Eingangssituationen undefiniert und folgen keiner übergeordneten Logik.

Das Umgebungskonzept baut auf zwei Merkmalen auf. Zum einen will es einen neuen Stadtbaustein sein und zum andern vernetzt und entlehnt es sich an den Strukturen der anliegenden Quartiere. Diese Konzeptidee wird nicht verstanden und widerspiegelt sich auch im Aussenraum nicht. Auch scheint das Unterscheiden der Aussenräume in eine städtische Front und in einen «übergeordneten» Freiraum nicht nachvollziehbar.

Das hilft zwar entlang der Bethlehemstrasse ein urbanes Quartier zu bilden. Die Eintrittsplätze als Scharniere an den Enden der gekreuzten Diagonalverbindungen mögen schlüssig und gut platziert sein, die grüne Mitte in der Kreuzung der Diagonalen wie auch die Höfe können die städteräumliche Struktur der ungerichteten Bauten jedoch nicht halten, es zerfällt in seine Einzelteile. Der übergeordnete Freiraum mit den Punktbauten scheint sich zu stark von der städtischen Platte abzulösen und wird zu einem Versatzstück. Trotz dem Anordnen von verschieden, vielseitig nutzbaren Aussenräumen, vermag die Umgebung das städtebauliche Konzept nicht zu stützen respektive zu stabilisieren.

Die vorgeschlagene Etappierung ist möglich, lässt aber zu jedem Zeitpunkt eine undefinierte Konstellation zurück und man sehnt sich nach der Fertigstellung.

Das Projekt erreicht eine ausgewogene, gute Nachhaltigkeit über alle Bereiche. Die Zielwerte SIA-Effizienzpfad Energie (Merkblatt 2040) können erreicht werden. Das Projekt hat ein sehr gutes Potential zur Erreichung der Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft.

Im Quervergleich liegen die Mengen und Kosten über dem Durchschnitt. Das Projekt generiert die zweithöchste Geschossfläche. Es wird eine gute Ausnutzung von Hauptnutzfläche zu Geschossfläche erreicht. Die Gebäudekörper sind kompakt und erreichen ein gutes Verhältnis von Gebäudehülle zu Geschossfläche.

Den Projektverfasser*Innen gelingt es zwar teilweise, die angestrebte Diversität zu erzeugen. Vieles wirkt aber unbestimmt, stark formalisiert und fällt auseinander. Es fällt der Jury schwer, die Entwurfsgedanken nachzuvollziehen und die von den Verfassern angepriesenen Städtebaulichen Qualitäten zu erkennen.

üsi meienegg Projekt Nr. 11 |

Architektur

Bauart Architekten und Planer AG, Bern
Stefan Graf, Raffael Graf, Peter C. Jakob, Emmanuel Rey, Yorick Ringeisen, Fionn Reichert, Lisa Balmer, Raphaël Boscarato, Judith Michellod

Landschaftsarchitektur

Westpol Landschaftsarchitektur GmbH, Basel
Andy Schönholzer, Jan Schmid

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Projektbeschrieb:

Die Verfasser*innen schlagen ein Quartier vor, welches die städtebaulichen Strukturen der angrenzenden Stadtteile aufnimmt und keine in sich abgeschlossene Überbauung bilden soll. Als Konsequenz werden 12 Baukörper mit 6 unterschiedlichen Gebäudetypologien entwickelt. Diese sind mit Ausnahme der senkrecht zur Bethlehemstrasse gesetzten Bauten frei auf dem Areal verteilt.

Der Auftakt bildet eine Gebäudegruppe um den achtgeschossigen Hochpunkt im Süden. Mit dem Zugang zum Grossverteiler sowie weiteren gewerblichen Nutzungen und Ateliers bilden sie ein Subzentrum und den funktionalen Anknüpfungspunkt zu den benachbarten Quartieren. Ab diesem Platz entwickelt sich eine frei mäandrierende innere Erschliessung mit Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten zur Keltenstrasse im Norden.

Die angestrebte Verwebung mit dem Umfeld mag in Teilbereichen gelungen sein, eine weiterführende städtebauliche Absicht ist aber nur schwer erkennbar. Die räumlichen Bezüge wirken beliebig und eine gesamthafte Identität des neuen Quartiers wird vermisst. Der Städtebau wird sozusagen auf die Ebene des Einzelgebäudes delegiert. Durch die Setzung der Baukörper und die Erschliessungen im Innern fehlt eine Orientierung und die zweifellos vorhandenen Aufenthaltsqualitäten sind wenig ablesbar. Dadurch wirkt die Überbauung für Dritte nicht einladend.

Das Freiraumkonzept orientiert sich am städtebaulichen Leitgedanken. Das Umfeld wird aus den jeweiligen Baukörpern entwickelt und versucht nicht, ihnen ein verbindendes Element hinzuzufügen. Das widerspiegelt sich in der Erschliessung, in der Freiraumnutzung, in der Anordnung der Hart- und Vegetationsfläche wie auch in der vorgeschlagenen Begrünung selbst. Dadurch zerfällt die Freiraumgestaltung in einen siedlungsähnlichen Aussenraum ohne Quartiercharakter. Dies zeigt sich beispielsweise in der winkelförmigen Anordnung der Spielfläche oder im nördlichen Teil der Bethlehemstrasse. Im letzteren Fall sind die Bauten zur Strasse gerichtet, weisen jedoch unterschiedliche Vorzonen und Zugangssituationen auf. Positiv beurteilt wird hingegen der hohe Durchgrünungsgrad, was sich günstig auf das Stadtklima auswirkt und insbesondere bei der Gebäudegruppe im Osten eine hohe Aussenraumqualität bietet.

Die unterschiedlichen Gebäudetypologien mit Punktbauten, Hof- und Laubengangtypen ermöglichen ein breites Wohnangebot mit unterschiedlichen Wohnformen. Die Grundrisse sind sehr reichhaltig und sorgfältig ausgearbeitet.

Insbesondere gewürdigt werden die Überlegungen zum gemeinschaftlichen Wohnen (Clusterwohnung) und zur Planungsflexibilität der Punktbauten. Das eigentliche Zentrum für die Bewohner dürfte Haus B2 sein, mit dem Quartiertreff, der Schule und einem Spitexstützpunkt im EG. Eine Verteilung der allgemeinen Nutzungen entlang der inneren PROJEKT NR. 11 ‚üsi meienegg‘ | 1. Rundgang Erschliessungsachse hätte dieser allerdings eine grössere Bedeutung und einen Anfangs- und Endpunkt gegeben. Dadurch wären mit jeder Etappe neue, der Gemeinschaft dienende Erdgeschossnutzungen addiert worden. Die Siedlung erlaubt aber unterschiedliche Lebensstile und bietet gute Nachbarschaften.

Alle Gebäude sind in Massivbauweise konstruiert, weisen aber unterschiedliche materialisierte und strukturierte Fassaden auf. Die Bauten entlang der Strassen sind mit vertikal gegliederten Keramik- oder Wellerternitplatten verkleidet, während die Bauten in der Arealmitte eine leicht versetzte Holzschalung haben. Diese Differenzierung wird durch eingezogene oder vorgesetzte Balkone verstärkt. Die formale Unterscheidung lässt zwar einzelne Gebäudegruppen erkennen und entspricht der von den Verfasser*innen gewählten Grundkonzeption, sie bestätigt aber gleichzeitig den Eindruck eines fragmentierten Areals.

Auf Grund der freien städtebaulichen Setzung lässt sich die Überbauung in vier schlüssigen und mit den Bestandsbauten stimmigen Etappen realisieren.

Die Gebäudevolumen sind sehr kompakt, klar strukturiert und mit einem einfachen Dämmperimeter umhüllt. Bei der Entwicklung des Untergeschosses wurde auf eine möglichst grosse Reduktion der versiegelten Fläche geachtet. «üsi meienegg» erreicht auch deswegen eine ausgewogene, gute Nachhaltigkeit über alle Bereiche. Die Zielwerte SIA-Effizienzpfad Energie (Merkblatt 2040) können erreicht werden. Das Projekt hat ein sehr gutes Potential zur Erreichung der Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft.

Das Gesamtprojekt liegt im Quervergleich in den Mengen und Kosten leicht unter dem Durchschnitt.

«üsi meienegg» zeigt gute Ansätze bezüglich der Wohnungsund Lebensvielfalt im genossenschaftlichen Wohnungsbau. Die Setzung der Baukörper, die suburbane Umgebungsgestaltung und die fehlende Gesamtwirkung erscheinen jedoch wenig zwingend und teilweise beliebig.

SPINA Projekt Nr. 12 |

Architektur

LEISMANN AG Architektur Stadtplanung, Bern
Stefan Leiseifer, Roman Lehmann, Miguel Gómez Rojo, Argyro Theodoroupoulou, Luisa Krämer, Camillo Mingaia

Landschaftsarchitektur

Luzius Saurer Garten- und Landschaftsarchitektur, Hinterkappelen
Luzius Saurer

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Projektbeschrieb:

Zwei grosse Innenhöfe, jeweils gerahmt von zwei L-förmigen Bauten, prägen die städtebauliche Idee. Entlang der Bethlehemstrasse tritt die neue Bebauung auf Höhe der Haltestelle Stöckacker zurück und öffnet einen grosszügigen, spitzförmig verlaufenden Stadtplatz mit Baumdach. Es entsteht eine markante Geste; zwischen die zwei baulichen Grossformen schiebt sich der Langobardenplatz, der die Ost-West-Durchwegung gewährleistet. Die Jury stellt infrage, dass hier ein angenehmes Raumgefühl zwischen den über fünf- und über sechsgeschossigen Gebäuden entsteht und erachtet die städtebauliche Situation als ungelöst.

Die Haupterschliessung der Hofgebäude erfolgt jeweils strassenseitig. In den Erdgeschossen der Baukörper entlang der Bethlehemstrasse und nordseitig entlang des Langobardenhofs schlagen die Verfasser*innen als einzige Nutzung eine grosse Anzahl «Ateliers» vor. Von dieser Mononutzung sind – nicht zuletzt auch aufgrund der zu erwartenden Öffnungszeiten – kaum aktivierende Impulse für ein lebendiges Quartierleben zu erwarten. Die Gebäude werden Grundrisstypologisch in Stadtriegel und Hofriegel unterschieden.

Die Wohnungen im Hofriegel sind geprägt durch einen direkten Wohnungszugang zur Essküche. Auf einen Eingangsbereich mit Garderobe wird verzichtet, das Essen und Wohnen zur Eingangsloggia wird thematisiert. Anders ist der Umgang bei den Stadtriegeln. Sie sind als ineinander verschachtelte Vierspänner organisiert. Der Zugang in die Wohn-Essbereiche der durchgesteckten Wohnungen ist wenig attraktiv organisiert über schmale Gangsituationen, vorbei an den Individualzimmern. Die Zuordnung der Balkone ist unklar, auch, warum sie vor den Individualzimmern und nicht dem Wohnzimmer angeordnet sind. Begrüsst wird das grosse Angebot und die gut erreichbare Lage der Veloabstellplätze im Aussenraum sowie das attraktive Angebot an innenliegenden, ebenerdigen Veloabstellplätzen.

Der äussere Eindruck mit der vorgeschlagenen Eternitfassade und den zum Hof hin durchlaufenden Balkonen aus Betonelementen wirkt kontrolliert und diszipliniert. Der fortwährend gleiche Ausdruck in der hohen Dichte der Anlage birgt jedoch die Gefahr eines monotonen Ausdrucks.

Zwei grosse begrünte Innenhöfe prägen den Gesamtausdruck des Entwurfs. Die Ausrichtung des nördlichen Hofs («Keltenhof») ist Ost-West orientiert, der im Süden («Stöckackerhof») Nord-Süd. Beide Höfe sind gleich aufgebaut, ihnen ist eine elliptische Wegeverbindung mit Erschliessungswegen zu den rückwärtigen Hauseingängen eingeschrieben, deren Achse sich an der Hauptausrichtung des jeweiligen Hofs orientiert. Damit wiederholt die Landschaftsarchitektur die Haltung des duplizierten archi- PROJEKT NR. 12 SPINA | 1. Rundgang tektonischen Ausdrucks auf den beiden neu geschaffenen Teilgebieten Nord und Süd, dazwischen eingespannt liegt der chaussierte, baumbestandene «Langobardenplatz», der mit einer runden Wasserfläche, Sitzgelegenheiten und Veloständern möbliert ist. Der Streifen zwischen den beiden Baufeldern ist ausserdem als Anliegerstrasse ausgewiesen.

Als Auftakt des neuen Quartiers sieht der Entwurf einen baumbestandenen Platz auf Höhe der Tramhaltestelle Stöckacker vor. Städtebaulich gerahmt wird der Platz durch die neuen Baukörper, in deren EGs Ateliers sowie ein Café vorgesehen sind, ausserdem gehen vom Platz zwei durch die Gebäude gesteckte schmale Durchgänge in die Innenhöfe. Diese sind aus ihrem jeweiligen Zentrum heraus in konzentrischen Schichten aufgebaut: Chaussierung mit Kita/TG-Pergola und Rasenfläche im Kern, chaussiertes Erschliessungsband, Band der Gemeinschaftsgärten mit Obstbäumen und schliesslich die privaten und halbprivaten Gärten der Wohnungen.

Eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Raum und die Herausbildung eigener Charaktere durch spannungsreiche raumbildende Strukturen und aktivierende, attraktive Orte, wird vermisst.

Die Jury bedauert die gleichförmige Gestaltung der beiden Innenhöfe und bezweifelt, dass hier ein lebendiges, nachbarschaftliches Leben entsteht. Es gibt keine raumbildenden Strukturen, die Besucher*innen exponieren sich auf den offenen Platzhöfen, die unter einer hohen sozialen Kontrolle stehen und von jedem Winkel der umliegenden Gebäude aus einsehbar sind. Vermisst wird auch eine Auseinandersetzung mit einer stadtklimatisch optimierten Planung und die Barrierewirkung des vorgeschlagenen Städtebaus für Luftaustausch und Zirkulation wird kritisch hinterfragt.

Die Etappierung ist entsprechend der Anzahl neuer Gebäudeteile in vier Schritten vorgesehen. Die Etappierung ist aus dem Entwurf schlüssig abgeleitet, jedoch bedingen sich die zeitnahen und paarweisen Realisierungen von Etappe 1 und 2 sowie Etappe 3 und 4, da ansonsten keine funktionierenden Teilstrukturen realisiert werden können. Diese provozierten Abhängigkeiten sind entwurfsimmanent, werden jedoch kritisch beurteilt.

Das Projekt erreicht eine ausgewogene Nachhaltigkeit mit Ausnahme bei der Wirtschaft. Die Zielwerte SIA-Effizienzpfad Energie (Merkblatt 2040) können erreicht werden. Das Projekt hat ein gutes Potential zur Erreichung der Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft.

Das Gesamtprojekt liegt im Quervergleich in den Mengen und den Kosten leicht unter dem Durchschnitt. Die Wohnungsanzahl mit 372 Wohnungen ist das zweittiefste Ergebnis. Es wird eine gute Ausnutzung von Hauptnutzfläche zu Geschossfläche erreicht.

Die angedachte, grosse städtebauliche Geste des Projektes vermag nicht zu überzeugen und würde in dieser Form eine entsprechende Weiterführung im Nordosten verlangen. Die beiden Grossformen könnte man am ehesten als die ersten beiden Bausteine einer grossmassstäblichen Arealentwicklung lesen. Aber hierzu gibt es keinen Anlass und keine Sinnhaftigkeit – die natürlichen Grenzen sind gesetzt.

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